"So gewaltig wie ergreifend"

29.11.2019-18:32

 

So gewaltig wie ergreifend

Das Minetti-Quartett brilliert als Gast von Forum Kultur im Kurfürstensaal mit Haydn, Brahms und Berg.

Von Meike Paul
Vier, die es können: Das Repertoire des Minetti-Quartetts umfasst Kammermusikstücke von der Wiener Klassik bis zur zeitgenössischen Musik. Foto: Sascha Lotz

Vier, die es können: Das Repertoire des Minetti-Quartetts umfasst Kammermusikstücke von der Wiener Klassik bis zur zeitgenössischen Musik. (Foto: Sascha Lotz)

HEPPENHEIM - Eleganz und Leichtigkeit, gepaart mit außerordentlicher Spielfreude: Davon konnten sich die Besucher des Kammerkonzerts im Kurfürstensaal überzeugen. Das Minetti-Quartett, bestehend aus den beiden Geigerinnen Maria Ehmer und Anna Knopp sowie Milan Milojicic an der Viola und Leonhard Roczek am Violoncello, lieferte wie versprochen. Vier Welt-Musiker in schönster Harmonie, die sich Joseph Haydn, Alban Berg und Johannes Brahms vorgenommen haben.
Im elektronischen Kerzenschein der Kronleuchter, vorm Kamin des verschnörkelten Kurfürstensaals, war das Ambiente nachgerade perfekt. Kein Wunder, dass zahlreiche Romantik- und Klassik-Fans gekommen waren, sich in den Klängen verlieren wollten. Schließlich ist dem Quartett ein Ruf wie Donnerhall vorausgeeilt, waren die Akteure doch noch vor Kurzem erfolgreich in den USA auf Tour.
Was dem Quartett spielerisch gelingt: Vergangenes wird zeitlos, erzeugt in den Köpfen und Herzen der Zuhörer einen Widerhall, ermöglicht Zugang zu Gedanken, die nur exzellente Musik anregen kann. Die vier Akteure sind Gewinner zahlreicher internationaler Kammermusik-Wettbewerbe, haben unter anderem den bedeutenden österreichischen Preis „Gradus ad Parnassum“ erhalten. In Heppenheim gab’s nach getaner Arbeit immerhin edle Tropfen in Geschenkpapier und tosenden Stehapplaus.
Zuvor aber lieferten die Vier ganz großes Kino. Ausgewählt war das Streichquartett „Der Frosch“ von Joseph Haydn – der sich auf dem Landsitz der wohlhabenden ungarischen Familie Esterházy durch das Märchen „Der Froschkönig“ zum Werk inspiriert fühlte. Die Musiker strichen dabei so beherzt über die Saiten, dass man um deren Reißfestigkeit fürchten musste. Material und Kräfte wurden nicht geschont – der Klang war daher so gewaltig wie ergreifend. Volle Dynamik zeigte sich auch bei der Darbietung des Streichquartetts in a-Moll von Johannes Brahms. Differenziert und sorgfältig artikuliert regneten die Klänge aufs Publikum herab. Getreu dem Motto „Frei, aber einsam“, das der Komponist von seinem Geigerfreund Joseph Joachim übernommen hatte. Im schwelgerischen Tonfall der Themen hatte sich Brahms hier auf Franz Schuberts a-Moll-Quartett bezogen, so etwa im elegischen Duktus des Hauptthemas. Den Minettis gelang diese Darstellung. Mal lyrisch singend, mal motivisch verdichtet schritt die Melodie auf einen ruppig-kraftvollen Höhepunkt zu. Darauf antwortet das Seitenthema mit Pizzicato – wie eine Wienerische Serenadenmusik. Alban Berg, Schüler Schönbergs, steuerte noch das Streichquartett Nr. 3 (eine Sonate und ein Rondo) bei. Dem Verlangen nach Zugabe kam das Minetti-Quartett nach knapp zwei Stunden Programm gerne nach.

Lampertheimer Zeitung

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