"Liedhaftigkeit und virtuose Brillanz" - Kritik vom Konzert in Neubeuern (14.02.2015)

19.02.2015-09:55

Das Minetti-Quartett gastierte in Schloss Neubeuern

Liedhaftigkeit und virtuose Brillanz

Wenn Musik und Literatur einen direkten Bezug aufweisen, verdoppelt sich noch einmal die Freude am Dargebotenen. Das im Jahre 2003 gegründete Minetti-Quartett trägt seinen Namen nämlich nach dem gleichnamigen Schauspiel des österreichischen Schriftstellers Thomas Bernhard, dessen melodische Sprache mit ihren humoristischen Übertreibungen, ihren motivischen Wiederholungen und ihrem Variationsreichtum gleichsam Kammermusik in Worten ist.

Die beiden Geigerinnen des Quartetts sind in Ohlsdorf geboren, einem kleinen Ort in Oberösterreich, in dem Bernhard viele Jahre gewohnt hat. Im Schlosssaal von Neubeuern spielte das Minetti-Quartett Werke von Mozart, Haydn und Mendelssohn Bartholdy.

Eigentlich nicht im engeren Sinne zur Gattung der Streichquartette gehört das Adagio und Fuge in c-Moll von Mozart, mit dem das Minetti Quartett ein wenig sperrig begann. Die ganz an Bach angelehnte kurze Komposition mit ihren rhythmischen Wiederholungen und Steigerungen, die gar nicht mozarttypisch klang, verlangte von den vier Musikern Maria Ehmer und Anna Knopp (Violine), Milan Milojicic (Viola) und Leonhard Roczek (Violoncello) große solistische Qualitäten.

Das nach der Quintfall-Sequenz am Beginn des ersten Satzes benannte "Quintenquartett" in d-Moll op. 76 Nr. 2 von Joseph Haydn besticht gleich im Allegro mit einem archaisch anmutenden Thema der ersten Violine, das dann lebhaft dialogisch von den anderen Instrumenten aufgenommen wird. Das freundliche Andante mit seinen perlenden Pizzicati und seinem Reichtum an Figurationen, den das Minetti Quartett mit zupackendem Schwung zu Gehör brachte, bildete zu dem strengen, nur vorübergehend aufgelockerten Ton des Kopfsatzes einen klangschönen Kontrast. Voller Wildheit und Dramatik war das Menuetto, dessen finstere Moll-Melodik eine zwischen Trotz und Unruhe schwankende Stimmung erzeugte. Das in wirbelnden Triolenbewegungen gipfelnde Finale spielten die Musiker mit den Atem nehmender virtuoser Brillanz.

Felix Mendelssohn Bartholdys Es-Dur Quartett op. 44 Nr. 3 ist das Kunstvollste der drei Streichquartette. Das ungemein frisch und temperamentvoll klingende Allegro vivace und das Scherzo mit seinen mannigfaltigen kontrapunktischen Kunstgriffen verlangte vom Minetti-Quartett hohe spielerische Perfektion. Da jagten die Töne in atemberaubender Geschwindigkeit, schienen die Instrumente in einen wirbelnden Wettstreit zu geraten, der an den Hexenzauber in der Walpurgisnacht erinnerte. Bezauberte das Adagio ma non troppo mit schlichter, andachtsvoller Liedhaftigkeit, entwickelte sich im Finale erneut ein vom Minetti-Quartett meisterhaft zum Erklingen gebrachtes virtuoses Spiel, nach dessen fulminantem Schluss begeisterter Beifall aufbrandete. Als Zugabe, mit der sich die Musiker beim Publikum bedankten, spielte das Minetti Quartett noch die lebhafte Canzonetta aus Mendelssohns Streichquartett op. 12.

 

Oberbayerisches Volksblatt

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