Kritik vom Konzert in Staufen (03.08.2012)

08.08.2012-14:34

Badische Zeitung

 

Gezügelter Überschwang

Faust Quartett und Minetti Quartett bei der Staufener Musikwoche.

Zwei mal vier macht acht: Zum Schluss spielen die beiden Quartette gemeinsamFelix Mendelssohn Bartholdys Oktett op. 20. Und wie sie zusammenspielen in der Aula des Staufener Faust-Gymnasiums: Das ist Kammermusik auf höchstem Niveau, ein Stürmen, ein Wogen, ein zartes Abtönen. Die jungen Musiker des Faust Quartetts und die des Minetti Quartett haben sichtlich Spaß am Sturm und Drang des Wunderwerks. Den melodischen Reichtum breiten sie verschwenderisch aus, das Publikum ist begeistert.

Die Qualität ihrer Interpretation zeigt sich prägnant bei der Gestaltung der Schlüsse: Wie die Viola von Milan Milojicic im langsamen Satz sich ins Dunkle löst, wie das Scherzo verhuscht. Transparenz von Klang und Gedanken herrschen auch im fulminanten Finale. Den acht Musikern gelingt das Kunststück des gezügelten Überschwangs – was will man mehr.

Dass die Quartette derart gut miteinander harmonieren würden, war zwar vorstellbar, so dann aber doch nicht zu erwarten gewesen. Das Diskursive der Gattung betonen die Musikerinnen des Faust Quartetts schon mit ihrer Mimik: Beim ersten Streichquartett des Spaniers Juan Crisóstomo de Arriaga, Zeitgenosse Haydns, blicken sie erstaunt und leidend, tauschen Argumente aus und fallen einander ins Wort. Vor allem Ada Meinich (Viola) und Birgit Böhme (Cello) tun sich hervor; die tieferen Register prägen auch den Klang, der herb ist und in der ersten Violine geschärft (Simone Roggen). Mit offenen Mündern rasen sie in die Pausen im feurigen dritten Satz, aber wild nicht ohne Ziel: Die Dynamik ist abgestuft, das Spiel kompakt. Die mimische Expressivität entspricht der musikalischen, zum Glück.
Wirkte es hier, als strahle die Mimik auf die Musik ab, war jene bei den Musikern des Minetti Quartetts deutlich Ausdruck der romantischen Vorgänge von Antonin Dvoraks "Amerikanischem Streichquartett" op. 96. Die erste Violine von Maria Ehmers war reich an Obertönen, klar und präsent. Herzhaft schoss das vor neun Jahren gegründete Ensemble auf die Phrasenschlüsse zu. Es entwarf einen weiten Raum, den es beim Oktett ins Sinfonische weitete, verstärkt von den kaum weniger vortrefflichen Kollegen.

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