Kritik vom Konzert in Rotenburg (24.01.2013)

23.03.2013-23:17

 

Die Wiener Schule in Reinkultur

 

Minetti-Streichquartett zu Gast bei den Rotenburger Konzerten in der Realschul-Aula

Die Wiener Schule in Reinkultur

Rotenburg - Von Heidi Stahl. Mit „Wiener Schwung“ hatte das neue Jahr bei den Rotenburger Konzerten beim Neujahrskonzert begonnen und Gäste aus Wien, das Minetti-Streichquartett, gestalteten jetzt das vierte Konzert der Saison in der Realschule mit Werken der alten und der neuen Wiener Schule.

Das Minetti-Quartett begeisterte die Rotenburger Musikfreunde mit Werken aus der Wiener Schule. ·

© Foto: Stahl

Das Minetti-Quartett mit Maria Ehmer (Violine), Anna Knopp (Violine), Milan Milojicic (Viola) und Leonhard Roczek (Violoncello) blickt in diesem Jahr, ebenso wie die Rotenburger Konzerte, auf ein zehnjähriges Bestehen zurück.

Diese begabten jungen Musiker haben sich in den vergangenen zehn Jahren durch ihr meisterhaftes Spiel ein internationales Renommee als „Rising Stars“ erworben. Mit Konzerten in allen Musikmetropolen Europas, sowie auf Konzertreisen durch Amerika, Japan, Australien und China begeisterten sie ihr Publikum durch ihr virtuoses Spiel, herausragende Musikalität und eine ursprüngliche Harmonie im Zusammenspiel.

Beginnend mit dem langsamen Satz für Streichquartett (1905) von Anton Webern, einem Vertreter der neuen Wiener Schule, entlockte Milan Milojicic seiner Viola den charakteristischen warmen Klang im Zusammenspiel mit den Violinen und dem Violoncello. Keine leichte Kost wie im Neujahrskonzert, sondern Meisterwerke der Wiener Klassik kamen an diesem Abend zu Gehör. Das fachkundige und musikliebende Stammpublikum der Rotenburger Konzerte erlebte anspruchsvolle und tiefer gehende Kompositionen, meisterhaft interpretiert von den vier Streichern. Auf Anton Webern folgte Joseph Haydns Streichquartett C-Dur op. 76/3, das „Kaiserquartett“, das er 1797 im Alter von 65 Jahren nach seiner Rückkehr aus London komponierte. Es enthält im zweiten Satz die Melodie unserer heutigen Nationalhymne, dem Deutschlandlied, das auf dem ehemalig österreichischem „Gott erhalte Franz, den Kaiser“ basiert, woher dieses Quartett auch seinen Namen hat. Wer aber diese Melodie im Ohr hat, ist verwundert, welche melodischen Variationen in dieser eingängigen Melodie stecken. Fugenartig, in vier sogenannten „cantus firmus Variationen“, wiederholen die Violinen und das Violoncello das Leitmotiv, das von der Viola vorgegeben wird. Spannungsreich und mit monumental gesteigerten Ecksätzen dieses Streichquartetts endete der erste Teil des Konzertes.

Mit dem dritten Streichquartett in C-Dur op. 59 aus der Gruppe der „Rasumowsky- Quartette“ von Ludwig van Beethoven, die er 1806 seinem Förderer Graf Andrej Rasumowsky gewidmet hat, vervollständigte das Minetti-Quartett diesen Abend. Beethoven-typische Übergänge von dramatischen Akkorden des Cellos und der Viola zu leichten zart-fröhlichen Läufen der Violinen wurden von den exzellenten Streichern leidenschaftlich und meisterhaft interpretiert. Lautmalerisch erinnerte dieser dritte Satz des Streichquartetts an das aufziehende Gewitter und die danach durch die Wolken brechende Sonne aus der sechste Sinfonie Beethovens, der „Pastorale“.

Ohne eine Zugabe wollte das begeisterte Publikum die Wiener Musiker nicht gehen lassen, und so beschloss die Canzonetta aus Felix Mendelssohn-Bartholdys Streichquartett No. 1 diesen musikalisch sehr anspruchsvollen Abend, der dem guten Ruf der Rotenburger Konzerte alle Ehre machte und einen musikalischen Kunstgenuss auf höchster Ebene bot.

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