Kritik vom Konzert in Regensburg (18.03.2013)

23.03.2013-23:36


Was das Herz begehrt

 

Was das Herz begehrt

Das österreichische Minetti Quartett musizierte im Wolfgangsaal: Vor allem Beethovens Rasumowsky-Quartett und Debussys Streichquartett beeindruckten tief.

Das junge Minetti Quartett hat den Fuß in der Tür zur Weltklasse. Foto: Irène Zandel

Das junge Minetti Quartett hat den Fuß in der Tür zur Weltklasse. Foto: Irène Zandel

Von Randolf Jeschek, MZ

Regensburg. Streichquartette haben Konjunktur derzeit. Selten gab es so viele junge Quartette, die an der Tür zur Weltklasse anklopfen oder schon einen Fuß drin haben. Das vor zehn Jahren gegründete Minetti Quartett aus Österreich gehört in diesen elitären Kreis. Der Name ist einem Theaterstück entlehnt, das Thomas Bernhard für seinen Lieblingsschauspieler Bernhard Minetti schrieb. Und die beiden Minetti-Geigerinnen Maria Ehmer und Anna Knopp stammen aus Ohlsdorf, wo Thomas Bernhard die letzten 20 Lebensjahre auf seinem Vierkanthof verbrachte.

Zusammen mit dem Bratscher Milan Milojicic und dem Cellisten Leonhard Roczek machten die beiden Damen jetzt also Station im Wolfgang-Saal und begeisterten das Musikvereins-Publikum, vor allem mit Beethoven, mit dem dritten Rasumowsky-Quartett. Da war alles geboten, was das Herz begehrt: perfekte Technik, Ausgewogenheit, zarte, auch kernige Töne, Klarheit und Präzision, freies, atmendes Spiel, zupackende Dramatik, eine irrwitzig schnelle Schlussfuge als ein trotz aller heftigen Brillanz eleganter Parforceritt, ein zauberhaftes Andante mit sanftem Schwung, Tiefgang und Spielerisches gleichermaßen einschließend. Geradezu unglaublich die Souveränität, mit der Primaria Maria Ehmer mit sinnlichem Ton und leicht und anstrengungslos daherkommender Virtuosität die Führungsrolle übernimmt, ohne die anderen drei an den Rand zu drängen. Kaum weniger beeindruckend war vor der Pause Debussys Streichquartett, zupackend, heftig zuweilen, der Beginn nahezu unwirsch, ruhelos, scharf. Aber trotz zarter, verhangener Momente hätte man sich doch ein wenig mehr Farben gewünscht, mehr Raffinesse. Ein beherzter, mutiger Zugriff auf Debussy, aber noch nicht ganz ausgereift.

Eingerahmt waren die zwei Hauptwerke des Abends quasi durch zwei „Zugaben“. Zu Beginn ein frisch, doch auch elegant gespielter c-Moll-Quartettsatz von Franz Schubert, und zum Schluss, als echte Zugabe, Anton von Weberns „Langsamer Satz“, ein frühes, arg romantisches Werk aus dem Jahr 1905, gefühlt fast so lang wie Weberns restliches Gesamtwerk. Trotzdem ein schöner, genussreicher Abschluss eines großen Quartettabends.

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