Kritik vom Konzert in Oettingen (13.09.2015) - Augsburger Allgemeine

26.09.2015-09:58

 

Augsburger Allgemeine

 

Gastspiel

Ein Glücksfall für die Residenzkonzerte

Das Minetti-Quartett spielte schon auf bedeutenden Konzertbühnen Von Ernst Mayer

 
Das Minetti-Quartett begeisterte die Zuhörer in Oettingen mit einem technisch hervorragenden Spiel.
Foto: Mayer


Seit 2008 erobert das „Minetti Quartett“ die bedeutenden europäischen Konzertbühnen und erwirbt sich seitdem bereits zahlreiche international bedeutsame Musikwettbewerbe. Die großen Lobeshymnen auf ihre Konzerte sind bei weitem nicht übertrieben, und so kann es als Glücksfall gesehen werden, dass dieses junge, äußerst begabte Ensemble für die Residenzkonzerte in Oettingen gewonnen werden konnte.

Begeistert folgte das Publikum dem technisch hervorragenden Spiel, das vor allem durch eine exzellente dynamische Darstellung bestach, die von den Künstlern mit großer Freude ausgekostet wurde. Beginnend in Ludwig van Beethovens „Streichquartett B-Dur“ mit einer grazilen Zwiesprache von 1. Violine und Cello, mit nachdenklichem Einhalten, aber auch mit frischem engagierten Musizieren. Geheimnisvoll wirkte das liedhafte Thema des ersten Adagios, zu dem die aparten Motive von Cello und Viola kontrastierten und weitergereicht wurden. Ausschweifenden Melodien in einem heiteren Scherzo folgte ein zunächst sehr nachdenkliches Adagio, das sich zögernd, doch dann mit viel Esprit einem rasanten Schluss zuwandte.

Die vielfältigen Gefühlsaufwallungen in Claude Debussys „Streichquartett g-Moll“ eröffneten von Beginn an eine völlig andere Musikwelt. Klangbilder zu schaffen war ein wesentliches Ziel seiner Kompositionsideen und seines expressiven Ausdrucks. Exzessiven Gefühlsausbrüchen folgte repressive Zurückgezogenheit, unruhige zerrissene Motive mündeten in ein ruhiges ausdrucksvolles Andantino und in einen als „Tres modéré“ bezeichneten Schlusssatz, der seine Intensität mehr aus Spannungsbögen als Melodiebögen schöpfte.

Das melodiehafte Thema zu Beginn wies Felix Mendessohn-Bartholdy sogleich als den „klassischen“ Romantiker aus, mit dessen ruhigem ausladendem Adagio das Quartett in wunderbarem Zusammenspiel die Zuhörer ergriff. In dem bewegten Scherzo spürte man die wunderbare Übereinstimmung der beiden Geigerinnen Maria Ehmer und Anna Knopp und die zupackenden Beiträge des selbstbewussten Violaspielers Milan Milojicic, der mit seinem Cellopartner Leonhard Roczek zur Vollendung einer interpretatorischen Übereinstimmung des Ensembles beitrug. Dabei entwickelte sich in dem Adagio-Satz eine ruhige ausladende Stimmung, leise ausklingend und genüsslich ausgespielt. Schwungvoll begann der Schlusssatz und bewegte sich dynamisch abwechslungsreich bis hin zu den rasanten Läufen des Finales.

Der reiche Beifall des Publikums brachte den Zuhörern als eine Zugabe den zweiten, serenadenhaften, Satz des „Quintenquartetts“ von Joseph Haydn.

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