Kritik vom Konzert in Neubeuern (27.10.2012)

31.10.2012-10:56

"Vitalität und Ausdrucksreichtum" | Oberbayerisches Volksblatt (31.10.2012)

 

Das Minetti-Quartett begeisterte in Neubeuern

Vitalität und Ausdrucksreichtum

Höchst selten kommt es vor, dass ein Kammermusikensemble schon vor der Pause vom Publikum derart viel Beifall erhält. Dem österreichischen Minetti-Quartett ist diese Ehre zu Teil geworden, und das war kein Wunder, denn die vier jungen Musiker spielten mit einer Frische, einer Kraft und Klarheit, die begeisterte. Auf dem Programm des Quartetts im Schlosssaal von Neubeuern standen Werke von Mozart, Debussy und Dvorak.

Mit dem "Jagdquartett" in B-Dur KV 458 von Mozart eröffneten Maria Ehmer und Anna Knopp (Violine), Milan Milojicic (Viola) und Leonhard Roczek (Violoncello) den Konzertabend. Schon der erste Satz war zugleich von einer tänzerischen Heiterkeit, einer Energie und Rasanz, die das Publikum ergriff. Selbst das eher ernst und melancholisch klingende Menuett besaß in der Interpretation des Minetti-Quartetts eine Leichtigkeit, eine Spannung und Vitalität, die erst im Adagio mit dem emphatischen Dialog zwischen Violine und Cello von den übrigen Instrumenten ein wenig gemildert wurde. Das Finale hingegen hatte einen heiter-verspielten Charakter, der sich auch in den Gesichtern der Musiker auszudrücken schien.

Bereits die französischen Satzbezeichnungen in Claude Debussys g-Moll Streichquartett op. 10 strahlen einen poetischen Zauber aus. Das Werk mit seiner bizarren Rhythmik, seiner Exotik und seines fortwährenden Umspielens eines gleichen Gedankens bannte bis zum letzten Takt. Das Flimmern und Fluten der kunstvoll verknüpften Akkorde und Dissonanzen hypnotisierte die Hörer. Die vier Musiker spielten alle vier Sätze mit großer Dynamik und Ausdruckskraft, die Pizzicati in harmonisch abgestimmter Perfektion, das Finale voller drängender Leidenschaft. Die Komposition schien durch das Minetti-Quartett gleichsam ein Eigenleben zu entfalten, so fesselnd, so berauschend, so aufwühlend wirkte Debussys Klangkosmos.

Nach der Pause erklang mit Dvoraks Streichquartett in F-Dur op. 96 ein Werk, das ganz zu der inspirierenden Frische des Minetti-Quartetts passte. Die lyrische Folkloristik mit ihren einprägsamen Melodien und farbigen Klangflächen machten die vier Musiker zu einem Hörerlebnis ohnegleichen. Man fühlte sich durch das Spiel der jungen Instrumentalisten verwandelt, belebt, verjüngt. Das reizvolle Allegro ma non troppo mit dem populären, raffiniert verarbeiteten Hauptthema, das melancholische Lento, das wirbelnde Molto vivace, aber auch das zu einem orchestral wuchtigen Schluss sich steigernde Finale nahmen den Hörern den Atem. Auf die minutenlangen rhythmischen Ovationen folgte als Zugabe noch das Andante von Mendelssohn aus seinem ersten Streichquartett, das der frisch Verliebte mit erst 20 Jahren komponiert hat.

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