Kritik vom Konzert in Mettlach (05.08.2012)

08.08.2012-14:42

Saarbrücker Zeitung

 

Junges Ensemble musizierte auf hohem Niveau

Von SZ-Mitarbeiter Dieter Finkler

Mettlach. Beethoven, Mendelssohn-Bartholdy und Dvorak, das sind klangvolle Namen, mit denen Klassikfans wundervolle Musik voller Wohlklang, bestehend aus herrlichen Melodien und effektvollem Facettenreichtum verbinden. Das angekündigte Programm für das jüngste Konzert der Mettlacher Kammermusiktage gestaltete sich damit schon vorab als ausgesprochen verheißungsvoll.

Das Minetti Quartett, dem die Violinistinnen Maria Ehmer und Anna Knopp, Bratschist Milan Milojicic und Cellist Leonard Roczek angehören, wurde als "musikalische Sensation aus Österreich" angekündigt. Und die hohen Erwartungen, die infolgedessen an dieses Ensemble gerichtet waren wurden mit Bravour erfüllt. Das Streichquartett G-Dur von Ludwig van Beethoven, auch "Komplimentierquartett" genannt, bietet ausgesprochen viel musikalische Eleganz, die durch das effektvolle Musizieren des Minetti Quartettes, besonders betont wurde. Der ausgeprägte Facettenreichtum dieser Komposition kam durch das engagierte Spiel dieses Ensembles hervorragend zum Ausdruck. Dass drei der vier Musiker historische Instrumente nutzen können, trägt dazu bei, dass sich ein herrliches Klangbild mit einem besonderen Charakter entfaltet, der von vollen, warmen, satten Tönen geprägt ist.

Die vier Instrumente ergänzen sich perfekt und tragen dazu bei, dass das Minetti Quartett über einen charakteristischen Klang mit hohem Wiedererkennungswert verfügt. Während Charme und Esprit den Charakter des 2. Streichquartettes von Ludwig van Beethoven ausmachen, bietet das 6. Streichquartett von Felix Mendelssohn-Bartholdy eine für diesen Komponisten ungewohnte, wilde Dramatik, die von der ersten Note an durch das Minetti Quartett brillant und mitreißend zum Ausdruck gebracht wurde. Dieses Werk hat Mendelssohn-Bartholdy komponiert, nachdem er die Nachricht vom Tod seiner Schwester Fanny erhalten hatte. Die tiefe Verzweiflung, die Trauer, die Wut über den Schicksalsschlag offenbart diese Komposition durch heftige, schnelle Passagen, die das Minetti Quartett mit teilweise atemberaubendem Tempo und wilder Furore erklingen ließ.

So wirkte das letzte Streichquartett dieses Konzertes von Antonin Dvorak regelrecht versöhnlich, ein Werk voller schöner Melodien. Das 12. Streichquartett, das so genannte "Amerikanische Quartett", gilt als das beliebteste dieses berühmten tschechischen Komponisten.

Das Minetti Quartett vermochte es meisterhaft den jeweils sehr individuellen Charakter der einzelnen Streichquartette hervorzuheben und gleichzeitig die vielen temporeichen Passagen effektvoll zu nutzen. Das klug ausgewählte Programm, das dazu beitrug, die Vielseitigkeit dieses Ensembles zu betonen, bot gemeinsam mit der faszinierenden Interpretation der jungen Musiker ein formidables Konzerterlebnis, dass das Publikum mit Begeisterung quittierte. Als Zugabe wurde ein Satz aus dem 1. Streichquartett von Felix Mendelssohn-Bartholdy vorgestellt.

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