Kritik vom Konzert in Linz (17.01.2012)

21.01.2012-13:44

Oberösterreichische Nachrichten

 

Einem einzigen Herzschlag gleich

Kammermusik: Minetti-Quartett, Reihe „Dienstags Kammermusik in Linz“, Landesgalerie, 17. Jänner

Im Festsaal der Landesgalerie war bei der Reihe „Dienstags Kammermusik in Linz“ das ausgezeichnete „Minetti Quartett“ mit aufschlussreichem Programm zu hören. Die Streichervereinigung umfasst die beiden Oberösterreicherinnen Maria Ehmer (1. Violine) und Anna Knopp (2. Violine), Milan Milojicic und Leonhard Roczek (Cello) und besteht seit mehreren Jahren. Sie gastierte bereits in halb Europa und überrascht mit einer ganz „persönlichen Handschrift“.

Hierzu gehören ein exzellentes Zusammenspiel gleich einem einzigen Herzschlag und ein beeindruckend hohes technisches Können. Damit gestaltet das Ensemble direkt ansprechend, intensiv durchgezeichnet und die dynamischen Spannweiten restlos auskostend die Aussagewerte in einem sehr „sprechenden Tonfall“. Das Ergebnis sind spannende Ausformungen und eine beeindruckende Lebendigkeit, ohne dabei Kontraste einzuebnen.

Diese Art der Interpretation hat dem Haydn-Streichquartett op. 76/5 recht gut getan. Das Ergebnis war Empfindsamkeit mit Tiefgang und holte dabei auch den volkstümlichen Tonfall (Menuett) in lichte symphonische Höhen. Die Aufführung machte den Rang dieses Meisterwerkes verständlich. Bei Beethovens Quartett op. 95 wurden die Brüche und Untiefen der Musik ausgekostet, die starken persönlichen Züge des Werks äußerten sich spannend. Schmerz, emotionale Explosionen und ungestümes Aufbegehren waren präsent. Dvoraks „Amerikanisches Quartett“ op. 96 entfaltete sich unter ähnlichen Aspekten. Auch Lyrik und Freude am Melos, verbunden mit tiefen Empfindungen, haben in passender Mischung nachhaltig beeindruckt. Stürmischer Beifall. Das Finale aus Haydns „Reiterquartett“ ließ ebenfalls die guten Geister dahinstürmen.

 

Zurück