Kritik vom Konzert in Herdecke (25.03.2012)

04.04.2012-21:08

Der Westen

 

Minetti-Quartett gefällt als perfektes Ensemble

29.03.2012 | 16:20 Uhr

Herdecke.Das Minetti-Quartett, „eine musikalische Sensation aus Österreich“ (Der Tagesspiegel), war im Werner Richard-Saal zu Gast.

Maria Ehmer und Anna Knopp, Violine, Milan Milojicic, Viola, und Leonhard Roczek, Violoncello, auf allen Bühnen von Weltniveau zuhause, aber nicht zu arrogant, um Herdecke einen Besuch abzustatten, brachten ein großes Hochglanzfoto mit, das man sich übers Bett hängen kann. Sie erfüllten alle Wünsche: hochgradig fotogen, von feinster musikalischer Empfindungskraft, technisch über jeden Zweifel erhaben, erfahren in modernsten Tonerzeugungsmechanismen, Superlativ im Presto-Spielen, ein perfektes Ensemble.

Lediglich in der Einleitung zum Haydn-Quartett D-Dur op. 76/5 kamen bei der Einleitung Zweifel auf.

Überflüssige Akzente beim Allegretto

Das schlichte Allegretto war allzu sehr mit eleganten, aber überflüssigen Akzenten gespickt, von Haydn nicht vorgesehen, wie zuhause ein Blick in die Noten ergab. Ab dem anschließenden Allegro konzentrierte man sich auf das Wesentliche, ein Spielen mit Überraschungsmomenten.

Durch die Schostakowitsch-Mission vor einigen Jahren vorgebildet, lauschte man voller Neugier dem Quartett Nr. 1 „Metamorphoses Nocturnes“ von Ligeti aus 1953/54, unerreichbar für Hobby-Musiker.

Das Quartett Nr. 6 f-Moll op. 8o von Mendelssohn wird oft als Requiem für seine Schwester Fanny bezeichnet und ist geprägt vom Wechsel erregter Motorik mit melancholischem Gesang.

Es war in seiner düsteren Dichte das Bekenntnis eines zutiefst Betroffenen und ein krasser Gegensatz zu dem unbeschwerten Beethoven-Satz als Zugabe.

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