Kritik vom Konzert in Eltville (04.08.2012)

08.08.2012-14:39

Wiesbadener Tagblatt

 

Von Grandezza bis zur Todestrauer

06.08.2012 - ELTVILLE

Von Richard Hörnicke

BURGHOFSPIELE Minetti Quartett mit Mozart, Beethoven und Mendelssohn

Kammermusikveranstaltungen nehmen im Programm der Burghofspiele einen festen Platz ein. Besonders erfreulich, dass es sich bei den engagierten Künstlern in fast allen Fällen um junge Ensembles oder Solisten handelt, die sich bereits in zahlreichen Wettbewerben ihre Sporen verdient haben. So auch das Minetti Quartett, unter anderem Träger des Haydn-Preises beim Internationalen Haydn-Wettbewerb in Wien.

Die Künstler stellten sich in der Pfarrkirche St. Markus im Eltviller Stadtteil Erbach mit Kompositionen Wolfgang Amadeus Mozarts, Ludwig van Beethovens und Felix Mendelssohn-Bartholdys vor. Mozart schrieb sein erstes Streichquartett in G-Dur (KV 80) im Alter von 14 Jahren während eines Aufenthaltes in der italienischen Stadt Lodi.

Die vier Instrumentalisten ließen die graziöse Divertimentomusik nach dem gefühlig interpretierten Adagio in den schnellen Sätzen mit frisch zupackendem Ton erklingen, gaben dem beschließenden Rondosatz heiteres, aber auch elegisch nachsinnendes, stimmiges Format.

Beethovens Streichquartett 18 Nr. 2 in G-Dur, das sogenannte „Komplimentierquartett“ mit seinem an die Gestik von Verbeugungen erinnernden ersten Satz schloss sich in seiner durchweg heiteren Grundstimmung an das „Lodi-Quartett“ an.

In feinster Abstufung wurden die Zuhörer im ersten Satz in die Welt höfischer Grandezza geführt, mit lebendig pulsierendem und elanvollem Spiel wurden die folgenden schnellen Sätze realisiert, denen schließlich im Adagio sensibel aufgefächerter Schönklang gegenüberstand.

Als Felix Mendelssohn die Nachricht vom Tod seiner über alles geliebten Schwester Fanny erhielt, stürzte er zu Boden und fiel in ein Nervenfieber, von dem er sich nie wieder erholen sollte. Die Künstler stellten dieses kurz vor des Komponisten Tod entstandene Werk an das Ende des Programms - ein starker Kontrast zu den vorhergehenden Kompositionen. Sie ließen das Quartett, in dem Mendelssohn seinem Schmerz um den Tod der Schwester Ausdruck gab, als eine von Verzweiflung, unendlicher Trauer und „unaufhörlicher, kaum bezähmter Ratlosigkeit“ bestimmte Wehklage Gestalt annehmen. In sich ständig steigernder Spannung, in furios zugreifendem Spiel erhielt diese autobiografische Komposition stark bewegendes Format.

Der überaus herzliche Beifall setzte erst nach einer langen Pause der Besinnung ein - die ausgezeichneten Künstler ließen den Abend mit der einfühlsam nachgezeichneten Zugabe des Andante espressivo aus Mendelssohns erstem Streichquartett versöhnlich ausklingen.

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