Im Vordergrund das Rastlos-Romantische

01.09.2014-19:22

Wiesbadener Kurier

 

Im Vordergrund das Rastlos-Romantische

Von Axel Zibulski

BURGHOFSPIELE Streichquartette von Schubert und Mendelssohn mit dem Minetti-Quartett

ELTVILLE - Der drastische Moll-Einstieg in Franz Schuberts Streichquartett „Der Tod und das Mädchen“ fiel zunächst aus. Wer in der Erbacher Pfarrkirche St. Markus noch vor der Konzertpause eben darauf wartete, vernahm zunächst, ziemlich überrascht, wie die erste Geige von Maria Ehmer melancholisch in die Höhe strebte. Für diese einzige Irritation im grandiosen Konzert des Minetti-Quartetts hatte das Programmbuch beim „Rheingau Sommer“ der „Burghofspiele Eltville“ gesorgt, mit einer Verwechslung der Programmfolge. Sei’s drum.

Denn Felix Mendelssohns Streichquartett e-Moll op. 44 Nr. 2, das da tatsächlich mit der ersten Violine anhob, klang in der Interpretation des jungen österreichischen Minetti-Quartetts enorm stilsicher. Ob dank der ungreifbar-elfenhaften Kapriolen des Scherzos oder dem durchgehend vorantreibenden Grundton: Die Mendelssohn-Interpretation des vor elf Jahren gegründeten Ensembles stellte das Rastlos-Romantische in den Vordergrund, ohne Mendelssohns formale Ausgewogenheit aus dem Blick zu verlieren. Intonation und Stimmbalance gelangen vorbildlich, vor allem, weil sich die tieferen Stimmen von Milan Milojicic (Bratsche) und Leonhard Roczek (Cello) präsent, aber nie zu dominant einfügten.

Franz Schubert erklang zweimal, zunächst mit dem noch hausmusikalischen Streichquartett Nr. 3 D 36 des gerade 15-jährigen Komponisten. Hier, am Anfang des enttäuschend mäßig besuchten Konzerts, fügten sich nicht nur die häufig gedoppelten Geigen-Stimmen von Maria Ehmer und Anna Knopp vorzüglich in die hallreiche Akustik von St. Markus ein – wach reagierte das Minetti-Quartett darauf, spielte so schlank und gedrosselt wie möglich, ohne je an Impulsivität zu verlieren. Dabei stärkte das junge Ensemble das Finale hier wie in der Interpretation von Schuberts Streichquartett Nr. 14 d-Moll D 810 durch eine besonders gut ausdifferenzierte Dynamik, auch wenn in diesem vorletzten Quartett des reifen Schubert der Schwerpunkt ganz werkangemessen auf den beiden ersten Sätzen lag: Das Innehalten, die Zäsuren im zerklüfteten Kopfsatz erspürten die vier Musiker dabei besonders zwingend, und der Variationen-Satz über Schuberts eigenes Lied „Der Tod und das Mädchen“ fächerte sich auf der Basis eines nervös-schwankenden Fundaments und einer bedrängten Kantabilität so spannungsvoll wie ausdrucksstark auf. Ein großer Abend, der ohne Zugabe blieb.

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