"Im Schattenreich der Traurigkeit" - Kritik vom Konzert in Ingolstadt vom 05.04.2014

07.04.2014-14:19

 

Im Schattenreich der Traurigkeit (Donaukurier)

 

Im Schattenreich der Traurigkeit

Ingolstadt (DK) Niemand wollte diese Musik haben. Mozart blieb auf seinen Streichquintetten sitzen. Die Musikliebhaber liebten seine Kammermusik nicht: viel zu schwierig, künstlich auf Kompliziertheit getrimmt. Bahnbrechend neu war Mozarts kompromissloser Kunstanspruch in der jungen Gattung des Quintetts.

Ingolstadt: Im Schattenreich der Traurigkeit
Komplexe Seelenkunst: Verstärkt durch den Bratschisten Friedemann Weigle spielte das Minetti-Quartett im Festsaal - Foto: Schaffer

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Ingolstadt: Im Schattenreich der Traurigkeit
Komplexe Seelenkunst: Verstärkt durch den Bratschisten Friedemann Weigle spielte das Minetti-Quartett im Festsaal - Foto: Schaffer

Insofern ist es eine bestechende Idee, dem ein Werk der ebenfalls unpopulären Wiener Schule an die Seite zu stellen. Es scheint aus einer anderen Welt zu stammen, steht aber in seiner radikalen Expressivität und kompositorischen Dichte Mozart durchaus nahe. Die Bagatellen op. 9 von Anton Webern, entstanden 1911/1913, sind Konzentrate aus Tönen und Klängen, sechs Stücke von insgesamt dreieinhalb Minuten. Das Minetti-Quartett betont nicht deren expressive Seite, sondern zeigt sie als flüchtige Gebilde von geheimnisvoller Schönheit. Jeder der kostbaren Töne wird behutsam zelebriert, die Strukturen wirken kristallin durchscheinend, die extrem zarte pianissimo-Dynamik wird so ernst genommen, dass man oft kaum einen Hauch verspürt. „Der Gestus des Lauschens ist einkomponiert“, sagte Adorno, und genau das bringt das Minetti-Quartett atemberaubend zum Ausdruck. Dabei stellt sich trotz der spröden Intervalle und Rhythmen ein musikalischer Fluss ein, ein feines Beben der Empfindung, das genauso beglückt wie die Musik Mozarts.

Dessen g-Moll-Quintett ist komplexe Seelenkunst, eine Reise durch das Schattenreich der Traurigkeit. Monoton pochende Achtel, Zeichen untergründiger Erregung, begleiten ein Thema, das einer resignativen Grundhaltung nur kleine, müde Gesten des Aufraffens entgegenstellt. Dieses motivische Material prägt, wie monomanisch, fast das ganze Werk. Verstärkt durch Friedemann Weigle, den Bratschisten des Artemis-Quartetts, nimmt das Minetti-Quartett nun einen ganz anderen Klang an. Doch der Interpretationsansatz ist ähnlich subtil wie bei Webern: Die Achtel wirken wie der Puls eines lebendigen Wesens, die knappen Motive wie herzzerreißende und doch fein artikulierte Klagelaute. Die Geigen (Maria Ehmer und Anna Knopp) spielen wie beseelt von einem Atem und treten niemals primadonnenhaft heraus aus dem äußerst homogenen Gesamtklang, der auf einem sehr prägnanten Cello ruht (Leonhard Roczek) und sein Herz in einer reich schattierten Mittellage hat (erste Bratsche Milan Miojicic).

Damit gerät besonders das Adagio zu einem unglaublich berührenden, erschütternden und entrückenden Erlebnis. Die gedämpfte Wärme des Es-Dur-Themas, der schwarze Abgrund der b-Moll-Passage, das traumgleiche Aufleuchten der Dur-Tonart, alles glüht vor Empfindung, ohne dass klangliche Sauberkeit und technische Perfektion leiden. Diese Mozart-Epiphanie beweist wieder einmal: Das junge Minetti-Quartett gehört zu den derzeit aufregendsten Acts der Klassikszene. Nach der Pause gab es den Webern noch einmal da capo: Eine ungewöhnliche, aber intelligente Zugabe, eine Hilfestellung durch das schwierige Terrain der Moderne, das sich durch diese Zweitbegehung nochmals in anderem Licht zeigte. Dann aber Musik in großen Flächen, satten Farben und unbändiger Spielfreude: Antonin Dvorák schöpfte in seinem op. 97 die Quintettbesetzung in orchestraler Fülle aus. Ein gerade nach den ernsten und fordernden Werken mitreißendes, mit vielen „Bravi“ gefeiertes Finale eines grandiosen Konzerts.

Von Jörg Handstein

erig, künstlich auf Kompliziertheit getrimmt. Bahnbrechend neu war Moza

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en sitzen. Die Musikliebhaber liebten seine Kammermusik nicht: viel zu schwierig, künstlich auf Kompliziertheit getrimmt. Bahnbrechend neu w

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Im Schattenreich der Traurigkeit

Ingolstadt (DK) Niemand wollte diese Musik haben. Mozart blieb auf seinen Streichquintetten sitzen. Die Musikliebhaber liebten seine Kammermusik nicht: viel zu schwierig, künstlich auf Kompliziertheit getrimmt. Bahnbrechend neu war Mozarts kompromissloser Kunstanspruch in der jungen Gattung des Quintetts.

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Im Schattenreich der Traurigkeit

Ingolstadt (DK) Niemand wollte diese Musik haben. Mozart blieb auf seinen Streichquintetten sitzen. Die Musikliebhaber liebten seine Kammermusik nicht: viel zu schwierig, künstlich auf Kompliziertheit getrimmt. Bahnbrechend neu war Mozarts kompromissloser Kunstanspruch in der jungen Gattung des Quintetts.

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Im Schattenreich der Traurigkeit

Ingolstadt (DK) Niemand wollte diese Musik haben. Mozart blieb auf seinen Streichquintetten sitzen. Die Musikliebhaber liebten seine Kammermusik nicht: viel zu schwierig, künstlich auf Kompliziertheit getrimmt. Bahnbrechend neu war Mozarts kompromissloser Kunstanspruch in der jungen Gattung des Quintetts.

Ingolstadt: Im Schattenreich der Traurigkeit
Komplexe Seelenkunst: Verstärkt durch den Bratschisten Friedemann Weigle spielte das Minetti-Quartett im Festsaal - Foto: Schaffer

Insofern ist es eine bestechende Idee, dem ein Werk der ebenfalls unpopulären Wiener Schule an die Seite zu stellen. Es scheint aus einer anderen Welt zu stammen, steht aber in seiner radikalen Expressivität und kompositorischen Dichte Mozart durchaus nahe. Die Bagatellen op. 9 von Anton Webern, entstanden 1911/1913, sind Konzentrate aus Tönen und Klängen, sechs Stücke von insgesamt dreieinhalb Minuten. Das Minetti-Quartett betont nicht deren expressive Seite, sondern zeigt sie als flüchtige Gebilde von geheimnisvoller Schönheit. Jeder der kostbaren Töne wird behutsam zelebriert, die Strukturen wirken kristallin durchscheinend, die extrem zarte pianissimo-Dynamik wird so ernst genommen, dass man oft kaum einen Hauch verspürt. „Der Gestus des Lauschens ist einkomponiert“, sagte Adorno, und genau das bringt das Minetti-Quartett atemberaubend zum Ausdruck. Dabei stellt sich trotz der spröden Intervalle und Rhythmen ein musikalischer Fluss ein, ein feines Beben der Empfindung, das genauso beglückt wie die Musik Mozarts.

Dessen g-Moll-Quintett ist komplexe Seelenkunst, eine Reise durch das Schattenreich der Traurigkeit. Monoton pochende Achtel, Zeichen untergründiger Erregung, begleiten ein Thema, das einer resignativen Grundhaltung nur kleine, müde Gesten des Aufraffens entgegenstellt. Dieses motivische Material prägt, wie monomanisch, fast das ganze Werk. Verstärkt durch Friedemann Weigle, den Bratschisten des Artemis-Quartetts, nimmt das Minetti-Quartett nun einen ganz anderen Klang an. Doch der Interpretationsansatz ist ähnlich subtil wie bei Webern: Die Achtel wirken wie der Puls eines lebendigen Wesens, die knappen Motive wie herzzerreißende und doch fein artikulierte Klagelaute. Die Geigen (Maria Ehmer und Anna Knopp) spielen wie beseelt von einem Atem und treten niemals primadonnenhaft heraus aus dem äußerst homogenen Gesamtklang, der auf einem sehr prägnanten Cello ruht (Leonhard Roczek) und sein Herz in einer reich schattierten Mittellage hat (erste Bratsche Milan Miojicic).

Damit gerät besonders das Adagio zu einem unglaublich berührenden, erschütternden und entrückenden Erlebnis. Die gedämpfte Wärme des Es-Dur-Themas, der schwarze Abgrund der b-Moll-Passage, das traumgleiche Aufleuchten der Dur-Tonart, alles glüht vor Empfindung, ohne dass klangliche Sauberkeit und technische Perfektion leiden. Diese Mozart-Epiphanie beweist wieder einmal: Das junge Minetti-Quartett gehört zu den derzeit aufregendsten Acts der Klassikszene. Nach der Pause gab es den Webern noch einmal da capo: Eine ungewöhnliche, aber intelligente Zugabe, eine Hilfestellung durch das schwierige Terrain der Moderne, das sich durch diese Zweitbegehung nochmals in anderem Licht zeigte. Dann aber Musik in großen Flächen, satten Farben und unbändiger Spielfreude: Antonin Dvorák schöpfte in seinem op. 97 die Quintettbesetzung in orchestraler Fülle aus. Ein gerade nach den ernsten und fordernden Werken mitreißendes, mit vielen „Bravi“ gefeiertes Finale eines grandiosen Konzerts.

Von Jörg Handstein

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Ingolstadt (DK) Niemand wollte diese Musik haben. Mozart blieb auf seinen Streichquintetten sitzen. Die Musikliebhaber liebten seine Kammermusik nicht: viel zu schwierig, künstlich auf Kompliziertheit getrimmt. Bahnbrechend neu war Mozarts kompromissloser Kunstanspruch in der jungen Gattung des Quintetts.

Ingolstadt: Im Schattenreich der Traurigkeit
Komplexe Seelenkunst: Verstärkt durch den Bratschisten Friedemann Weigle spielte das Minetti-Quartett im Festsaal - Foto: Schaffer

Insofern ist es eine bestechende Idee, dem ein Werk der ebenfalls unpopulären Wiener Schule an die Seite zu stellen. Es scheint aus einer anderen Welt zu stammen, steht aber in seiner radikalen Expressivität und kompositorischen Dichte Mozart durchaus nahe. Die Bagatellen op. 9 von Anton Webern, entstanden 1911/1913, sind Konzentrate aus Tönen und Klängen, sechs Stücke von insgesamt dreieinhalb Minuten. Das Minetti-Quartett betont nicht deren expressive Seite, sondern zeigt sie als flüchtige Gebilde von geheimnisvoller Schönheit. Jeder der kostbaren Töne wird behutsam zelebriert, die Strukturen wirken kristallin durchscheinend, die extrem zarte pianissimo-Dynamik wird so ernst genommen, dass man oft kaum einen Hauch verspürt. „Der Gestus des Lauschens ist einkomponiert“, sagte Adorno, und genau das bringt das Minetti-Quartett atemberaubend zum Ausdruck. Dabei stellt sich trotz der spröden Intervalle und Rhythmen ein musikalischer Fluss ein, ein feines Beben der Empfindung, das genauso beglückt wie die Musik Mozarts.

Dessen g-Moll-Quintett ist komplexe Seelenkunst, eine Reise durch das Schattenreich der Traurigkeit. Monoton pochende Achtel, Zeichen untergründiger Erregung, begleiten ein Thema, das einer resignativen Grundhaltung nur kleine, müde Gesten des Aufraffens entgegenstellt. Dieses motivische Material prägt, wie monomanisch, fast das ganze Werk. Verstärkt durch Friedemann Weigle, den Bratschisten des Artemis-Quartetts, nimmt das Minetti-Quartett nun einen ganz anderen Klang an. Doch der Interpretationsansatz ist ähnlich subtil wie bei Webern: Die Achtel wirken wie der Puls eines lebendigen Wesens, die knappen Motive wie herzzerreißende und doch fein artikulierte Klagelaute. Die Geigen (Maria Ehmer und Anna Knopp) spielen wie beseelt von einem Atem und treten niemals primadonnenhaft heraus aus dem äußerst homogenen Gesamtklang, der auf einem sehr prägnanten Cello ruht (Leonhard Roczek) und sein Herz in einer reich schattierten Mittellage hat (erste Bratsche Milan Miojicic).

Damit gerät besonders das Adagio zu einem unglaublich berührenden, erschütternden und entrückenden Erlebnis. Die gedämpfte Wärme des Es-Dur-Themas, der schwarze Abgrund der b-Moll-Passage, das traumgleiche Aufleuchten der Dur-Tonart, alles glüht vor Empfindung, ohne dass klangliche Sauberkeit und technische Perfektion leiden. Diese Mozart-Epiphanie beweist wieder einmal: Das junge Minetti-Quartett gehört zu den derzeit aufregendsten Acts der Klassikszene. Nach der Pause gab es den Webern noch einmal da capo: Eine ungewöhnliche, aber intelligente Zugabe, eine Hilfestellung durch das schwierige Terrain der Moderne, das sich durch diese Zweitbegehung nochmals in anderem Licht zeigte. Dann aber Musik in großen Flächen, satten Farben und unbändiger Spielfreude: Antonin Dvorák schöpfte in seinem op. 97 die Quintettbesetzung in orchestraler Fülle aus. Ein gerade nach den ernsten und fordernden Werken mitreißendes, mit vielen „Bravi“ gefeiertes Finale eines grandiosen Konzerts.

Von Jörg Handstein

Ingolstadt: Im Schattenreich der Traurigkeit - Lesen Sie mehr auf:
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