"Der Weg ist das Ziel" - Kritik vom Konzert beim Salzburger Kammermusik Festival (18.06.2015)

29.06.2015-14:26

drehpunktkultur.at

 

Der Weg ist das Ziel

KAMMERMUSIK FESTIVAL / MINETTI QUARTETT

19/06/15 Ein volles Dutzend an Jahren musizieren die Mitglieder des Minetti Quartetts bereits zusammen. Dass und wie sie längst im internationalen Spitzenfeld angekommen sind, bewiesen sie mit Beethoven, Schubert und Bruckner am Donnerstag (18.6.) zur Mittagsstunde im Solitär.

Von Horst Reischenböck

Es gibt hinlänglich zahlreiche Kammermusikfreunde in Salzburg, die es sich auch an einem Werktag-Vormittag nicht nehmen lassen, Hochkarätiges erleben zu wollen. Das immer noch absolut jugendlich wirkende Minetti Quartett mit den beiden Geigerinnen Maria Ehmer und Anna Knopp, dazu Milan Milojicic an der Viola und Cellist Leonhard Roczek führten beim 5. Kammermusik-Festival der Universität Mozarteum wieder einmal vor, wie sie es verstehen, gänzlich unprätentiös, nur im Dienst an den Werken, Ausblicke zu neuen Ufern zu eröffnen.

So eingangs im B-Dur-Quartett op. 18/6 von Ludwig van Beethovens, mit dem sich das Ensemble übrigens unter anderem auch jüngst auf einer ebenso hörenswerten CD beschäftigte. Nach dem vordergründig eher noch harmlosen anmutenden Disput zwischen Primaria Maria Ehmer und ihrem Gegenüber am Violoncello in das eröffnende Allegro con brio, in das sich locker dann Anna Knopp am 2. Pult einfügte, ließ bereits die Durchführung mit ihren kontrolliert ausgespielten Eruptionen aufhorchen. So plastisch herausgekitzelt ist das selten zu erleben. Ähnlich eher ruppig manche Begleitfiguren im querstehenden Scherzo und, dazu als Kontrast, die totale Zurücknahme in die Melancholie des entsprechend mit „Malinconia“ übertitelen Adagio-Satzes, gleichwohl auch unterschwellig brodelnd sich deben gegen die Geistes-Trübheit aufbäumend, die auch im nahtlos anschließend, bewusst positiv überdrehenden Perpetuum mobile doch auch Zäsuren hinlässt. Hier im bewussten Ausspielen der Generalpausen nachdrücklich artikuliert: gedankliche Verbindung zu Beethovens späterem Weg.

Ein nicht weniger intensives Wechselbad an Gefühlen vermittelte man in Franz Schuberts Quartettsatz in c-Moll D 703, dessen innewohnend erschütternder Ausweglosigkeit er selbst noch nichts Aufhellendes nachzureichen imstande war. Auch hier beeindruckte, wie selbstverständlich die Vier das immer erneute Aufbäumen nachzeichneten, förmlich heraus meißelten.

Als Höhepunkt nach der Pause bemühte sich das Quartett zum Abschluss um einen Landsmann aus der Heimat Oberösterreich. So wie ähnlich erst kürzlich mit der Aufnahme von Balduin Sulzers Invention zusammen mit dem Salzburger Klarinettisten Matthias Schorn. Hier nun ging es um ein Opus summum, insofern nämlich, als auf Anton Bruckners groß konzipiert alleinigem Streichquintett in F-Dur WAB 112, von der historischen Entwicklung her betrachtet, eigentlich nichts ähnlich Adäquates mehr folgte. Auf der 2. Bratsche engagierte sich Peter Langgartner (so wie jüngst bei den Hofhaimer Tagen in Radstadt).

Nochmals beeindruckte die Art der Minettis, logisch und ohne Druck fließend Linien aufzuschlüsseln, speziell im kontrapunktischen Geflecht des Finales. Eben durch und durch kammermusikalisch und oftmals tonschön in Einzelgängen, damit bewusst im Gegensatz zur oftmals artikulierten Ansicht, es handle sich nur um eine weitere verkappte Sinfonie. Schlicht beglückend, begeisternd und bedankt, mit alleinigem Bedauern, dass nicht auch noch das als Scherzo-Ersatz gedachte Intermezzo nachgereicht wurde.

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