CD-Tipp der Woche - BR-KLASSIK

12.06.2013-20:49

 

Klassik-CD-Tipp: Klarinettenquintette von Mozart, Brahms, Sulzer

Stadler, Mühlfeld, Schorn – was sich anhört wie das Mittelfeld eines Fußballclubs, ist in Wahrheit eine Troika der besten Klarinettisten, von früher und heute. Stadler, Anton Stadler, war der Lieblingsklarinettist von Mozart.

"Hätt’s nicht gedacht, dass ein Klarinet die menschliche Stimme so täuschend nachahmen könnte, als du sie nachahmst. Hat doch dein Instrument einen Ton so weich, so lieblich, dass ihm niemand widerstehn kann, der ein Herz hat", schwärmt ein Mozart-Zeitgenosse über das virtuose Spiel von Stadler. Und Mozart? Ist ebenfalls Feuer und Flamme und komponiert sein Klarinettenquintett A-Dur. Er selbst nennt es ehrfürchtig "Stadlers Quintett".

Tief ins Herz sich hineinwühlendes Quintett

Richard Mühlfeld, verzaubert 100 Jahre später auf dieselbe Weise Johannes Brahms. Der hatte das Komponieren schon ad acta gelegt, da kommt Mühlfeld mit seinem "eigentümlich vibrierenden, rührenden Ton in zarten Kantilenen. Und was weiß er wieder mit dem schmalen Rohre für mächtige, starke Klangsäulen zu erpressen". Mühlfeld ist Mitglied der Meininger Hofkapelle und Soloklarinettist im Bayreuther Festspielorchester. Und bringt Brahms klarinettistisch so in Aufruhr, dass der sein Trio op. 114 und sein unnachahmlich stimmungsvolles, melancholisches, tief ins Herz sich hineinwühlendes Quintett h-Moll schreibt.

Sternstunden der Kammermusik

Beide Quintette sind Sternstunden der Kammermusik – jeder Klarinettist muss sie auf der Wunschliste haben, für manche sind sie sogar der Grund, das Instrument zu lernen. Matthias Schorn, Soloklarinettist der Wiener Philharmoniker, verfügt über einen so wunderbar warmen, vollen, dunklen und trotzdem angriffslustigen, manchmal heiter verspielten, manchmal fast naiv unbescholtenen, reinen Ton, (nebenbei über eine astreine Technik), dass er alle musikalischen Voraussetzungen für eine ideale Interpretation der beiden Werke mitbringt. Keine Klangfarbe bleibt unausgeleuchtet, keine Nuance im verborgenen, die Bandbreite reicht von hochdramatisch bis zu extrem verhalten – man kann sich vorstellen bei seinem Spiel, was in Mozart und Brahms vorgegangen sein muss. Als Partner hat Matthias Schorn nicht irgendwen an seiner Seite, sondern das österreichische Minetti-Quartett, immer noch blutjung, und trotzdem von Anfang an eine unüberhörbare Stimme im nicht gerade kleinen Reigen erstklassiger Streichquartette. Die Stücke sind Klassiker, die Aufnahme könnte es werden.

Von: Annika Täuschel, Stand: 25.05.2013

Wolfgang Amadeus Mozart: Klarinettenquintett A-Dur KV 581
Johannes Brahms: Klarinettenquintett h-Moll op. 115
Balduin Sulzer: Invention

Matthias Schorn
Minetti Quartett
Label: Cavi Music

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