CD-Rezension in der "Presse"

06.07.2012-10:14

CD-Rezension

 

Mendelssohn: "Quartette op 12 & 13"

28.06.2012 | 11:34 |  von Wilhelm Sinkovicz (Die Presse - Schaufenster)

Mendelssohns Liebe

Das Schaffen Felix Mendelssohn-Bartholdys wird bis heute ein wenig unter dem Wunderkind-Prätext bewertet – und unter dem Siegel des „Klassizismus“, der, streng genommen, das Gegenteil von echter klassischer Formbeherrschung bedeutet. Wie ungerecht das ist, erfährt der Hörer nur bei exzellenten Wiedergaben von Mendelssohns Musik, durch Interpreten, die ein wenig unter die Oberfläche der stets virtuos und sicher komponierten Stücke blicken.

Das junge Minetti-Quartett hat eben eine CD mit zweien der Streichquartette vorgelegt, die im Konzertgebrauch besonders unter stromlinienförmig-uniformen Wiedergaben zu leiden haben. Hier verrät uns schon das Textheftchen, dass man sich der Tatsache bewusst ist: Es handelt sich um Ausdrucksmusik. „Ist es wahr“, fragt die Autorin, „das Felix alle seine Streichquartette für Frauen komponiert, die er liebt?“ Ja, antworten die vier Musikanten und spielen mit jener Leidenschaft, die daraus resultiert. Und die Musik lebt, atmet, pulsiert – Romantik pur.

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