BR Klassik - Leporello CD-Tipp

26.03.2014-19:07

 

BR Klassik - Leporello CD-Tipp

Ludwig van Beethoven Streichquartette

Ernste Musik - irgendwie und irgendwann ist diese früher gebräuchliche Bezeichnung unmodern geworden. Vor allen Dingen, weil der traditionelle Gegensatz von sogenannter E- und U-Musik immer fragwürdiger wurde. Wo ist die Grenze? Und ist nicht umgekehrt der Humor für einen Komponisten wie Beethoven geradezu ein musikalisches Lebenselexier? Schon die Satzbezeichnungen sagen es: Allegro heißt heiter, Scherzo heißt Scherz.

Von: Bernhard Neuhoff Stand: 21.03.2014

Und doch - niemand würde bestreiten, dass es das gibt: Ernste Musik. Beethoven selbst macht es unmissverständlich klar, wenn er seinem f-Moll-Quartett op. 95 den Untertitel "Quartetto serioso" gibt, "ernstes Quartett". Wobei das Wort hier fast wie eine Untertreibung wirkt: "Düster", "wild" oder "zerrissen" wären passender. Das "Quartetto serioso" ist Beethovens wohl tragischstes Quartett, zugleich aber auch sein kürzestes. Und es endet - Überraschung - in strahlendem Dur, in fröhlichster Ausgelassenheit.

Kompromisslos, aber unpathetisch

"Durch Nacht zum Licht" - mit solchen Formeln hat man das f-Moll-Quartett gern gedeutet: Beethoven ringt mit sich und den Problemen des Lebens - und findet nach tiefen inneren Kämpfen eine Lösung. Ernste Musik? Gewiss - aber vielleicht hat Beethoven das alles auch viel weniger pathetisch gemeint. Vielleicht will er uns mit dem heiteren Schluss auch nur sagen: Es war alles nur ein Spiel. Ernste Spiele: Von Schiller stammt diese paradoxe Kurzdefinition der Kunst. Und besser kann man mit zwei Worten den Kern von Beethovens Streichquartetten nicht auf einen Nenner bringen. In diesem Geist spielt auch das junge Minetti-Quartett aus Österreich: kompromisslos, aber ganz unpathetisch. Erfrischend direkt und kraftvoll ist der Zugriff, die Tempi sind straff, wie von Beethoven gefordert, die Intonation schlackenlos, die technische Überlegenheit bewundernswert.

Übermütige Lust am Spiel

Bei aller hörbaren Skepsis gegen falsches Pathos haben die vier aber doch auch die existenzielle Seite dieser Musik verinnerlicht. Die Dringlichkeit ihres Spiels geht dem bloßen Schönklang bewusst aus dem Weg, legt Beethovens radikale Schroffheit bloß, feiert aber auch seine übermütige Lust am kombinatorischen Spiel - und trifft damit den humanen Kern dieser Musik. Hoffentlich gibt es bald mehr Beethoven vom Minetti-Quartett.

Ludwig van Beethoven: Streichquartette

Quartett G-Dur, op. 18/2
Quartett c-Moll, op. 18/4
Quartett f-Moll, op. 95
Minetti Quartett
Label: Hänssler Classic

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